Foto: De Hofkamer, Credits: Frederik Beyens

Am 14. September öffnete Flandern seine Türen für verborgene Schätze und architektonische Geschichten im Rahmen von Open Monumentendag (OMD) - Flanderns jährlicher Feier des baulichen Erbes und dem Beitrag der Region zum Programm der Europäischen Tage des Denkmals.

Der 1991 ins Leben gerufene Open Monumentendag hat sich zu einer der beliebtesten kulturellen Veranstaltungen in Flandern entwickelt und lädt Einwohner und Besucher gleichermaßen ein, historische Stätten zu erkunden, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen sind. Jedes Jahr im September geben Hunderte von Denkmälern, Kirchen, Archiven, Gärten und Privathäusern ihre Geheimnisse preis und regen die Menschen dazu an, sich wieder mit der Vergangenheit zu beschäftigen und darüber nachzudenken, wie das Erbe die Orte, an denen sie heute leben, prägt.

Die Veranstaltung wird von Herita koordiniert, der flämischen Organisation für das Kulturerbe, die für den Schutz und die Erschließung historischer Stätten in der gesamten Region zuständig ist. Herita arbeitet eng mit lokalen Organisatoren, Gemeinden, Freiwilligen und Kulturerbe-Institutionen zusammen, die das Wochenende gemeinsam möglich machen. Die Initiative wird auch von Partnern wie der Nationale Loterij unterstützt, deren Beiträge zur Finanzierung der Öffentlichkeitsarbeit und des gesellschaftlichen Engagements beitragen.

In Antwerpen gab es in diesem Jahr eine fesselnde Besichtigung, die die architektonische Vielfalt und den anhaltenden Geist der Erneuerung der Stadt widerspiegelte. Ich hatte das Vergnügen, von Griet Langbeen, der nationalen Koordinatorin für Flandern, begleitet zu werden, deren Wissen und Enthusiasmus für das kulturelle Erbe diese Reise durch Antwerpen mit offenen Türen noch interessanter machte. Von umgewandelten Kirchen und Universitätsgeländen bis hin zu Archiven und Festsälen erzählte jeder Ort eine Geschichte - nicht nur über die Vergangenheit der Stadt, sondern auch darüber, wie das Kulturerbe weiterlebt und sich weiterentwickelt.

Onze-Lieve-Vrouw van Gratiekerk / Theater Elckerlyc

Die Reise begann in der Onze-Lieve-Vrouw van Gratiekerk, einer neugotischen Kirche, die im späten 19. Jahrhundert von den Architekten Bilmeyer & Van Riel erbaut wurde. Einst ein Gotteshaus, wurde sie 2007 entweiht und hat vor kurzem als Foyer des Theaters Elckerlyc neues Leben gefunden. Das seit 1999 unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird behutsam renoviert, um seine Glasmalereien und bauliche Pracht zu erhalten. Die Verwandlung von einer Kirche in einen kulturellen Veranstaltungsort ist Ausdruck der sich wandelnden Identität Antwerpens, wo historische Räume weiterhin dem Gemeinschaftsleben in neuen Formen dienen.

Campus Oper

In der Jezusstraat 28 wurde das ehemalige Provinziale Sicherheitsinstitut - einst ein Ausbildungszentrum für Hafenarbeiter - als Campus-Oper der KU Leuven wiedergeboren. Das modernistische Gebäude aus der Mitte des Jahrhunderts, das in den 1950er Jahren entworfen wurde, wurde von B-architecten sensibel restauriert und soll 2024 wiedereröffnet werden.

Bei der Renovierung wurde ein Zwischenboden entfernt, der das ursprüngliche Atrium versperrt hatte, und eine in den 1990er Jahren abgerissene große Treppe wurde sorgfältig wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist die Wiederherstellung der vertikalen Offenheit, die den Optimismus der Nachkriegszeit ausmachte. Es wurde sogar in die engere Wahl für den Antwerpener Preis Erfgoedjuweel (Juwel des Kulturerbes) aufgenommen, eine Anerkennung, die zeigt, dass modernes Kulturerbe ebenso bedeutend sein kann wie ältere Denkmäler.

Kulturerbe-Haus Van Celst

Versteckt am Sint-Jacobsmarkt 15 bietet das Heritage House Van Celst eine intimere Begegnung mit der vielschichtigen architektonischen Vergangenheit Antwerpens. Das Haus vereint dekorative und strukturelle Elemente aus verschiedenen Stilepochen und spiegelt die kontinuierliche Entwicklung der Stadt wider.

Das Haus, das jetzt im Besitz einer gemeinnützigen Organisation ist, zeigt, wie bürgerschaftliches Engagement das häusliche Erbe bewahren kann, das oft still und leise hinter größeren öffentlichen Denkmälern verschwindet. Die Mischung aus privater Initiative und historischer Integrität sorgt dafür, dass die leiseren architektonischen Stimmen Antwerpens nicht vergessen werden.

Sint-Jacobs-Kirche

Ganz in der Nähe erhebt sich die Sint-Jacobs-Kirche in stattlicher Größe, deren Türme wegen der laufenden Restaurierungsarbeiten eingerüstet sind. Die Kirche ist nicht nur ein Denkmal der gotischen und barocken Architektur, sondern auch ein Ort von großer künstlerischer Bedeutung: Sie beherbergt das Grab von Peter Paul Rubens, dem berühmtesten Maler Antwerpens.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Sint-Jacobs dem Wandel der Zeit angepasst und Kriege, Reformen und Restaurierungen überstanden. Das derzeitige Restaurierungsprojekt zielt darauf ab, sowohl die Struktur als auch die komplizierten Kunstwerke zu erhalten, damit dieser Raum - ein Dialog zwischen Glaube und Kunst - auch künftige Generationen inspirieren kann.

De Brabantse Olijfberg

Am Nachmittag bot De Brabantse Olijfberg eine der vielschichtigsten und faszinierendsten Geschichten des Tages. Gegründet im 17. Jahrhundert als geheime protestantische Gemeinde - ihr Name, "Der Olivenberg von Brabant", war eine poetische Verkleidung während der Gegenreformation - überlebte sie Jahrhunderte religiöser Umwälzungen.

Das Gebäude selbst diente einst als katholisches Kloster, später als Militärbäckerei und sogar als Stall, bevor es als protestantische Kirche zurückgewonnen wurde. Am Tag des offenen Denkmals lud die Gemeinde die Besucher zu Orgelklängen und historischen Nachstellungen von Predigten aus dem 19. Jahrhundert ein, um diese lange Geschichte lebendig werden zu lassen.

Die örtliche Legende erzählt sogar von einer Geisterbegegnung im Jahr 1826, als Passanten von mysteriösen flackernden Lichtern in der verschlossenen Kirche berichteten. Es stellte sich heraus, dass die Ursache das Mondlicht war, das vom polierten Silber der Kirche reflektiert wurde - eine Geschichte, die seither in die Antwerpener Folklore eingegangen ist.

Heute setzt De Brabantse Olijfberg sein Vermächtnis der Offenheit fort und beherbergt Flüchtlingsprojekte, Studententreffen und mehrsprachige Gottesdienste und verkörpert den lebendigen Geist der Toleranz und der Integration.

FelixArchief

In der Oudeleeuwenrui 29 öffnete das FelixArchief seine Türen für Ausstellungen zu 100 Jahren Art Deco und sieben Jahrhunderten Stadtarchäologie. Doch hinter den Ausstellungen verbergen sich bemerkenswerte archivarische Entdeckungen.

Anfang dieses Jahres identifizierten Archivare das älteste bekannte Dokument Antwerpens - ein Pergamentfragment der Enarrationes in Psalmos des Heiligen Augustinus aus dem 9. Jahrhundert, das als Bucheinbandmaterial wiederverwendet wurde. Solche Funde zeigen, wie viel Geschichte zufällig überlebt und nur durch geduldige Forschung wiederentdeckt werden kann.

FelixArchief bewahrt auch Tausende von Fotografien aus dem 19. Jahrhundert von Edmond Fierlants auf, der den Wandel der Stadt nach dem Fall der alten Stadtmauern dokumentierte. Durch diese Bilder und Dokumente erinnert das Archiv die Besucher daran, dass das Erbe nicht nur aus Stein und Glas besteht, sondern auch aus Papier, Erinnerung und Fantasie.

Die Hofkamer

Der Tag endete in De Hofkamer, einem eleganten Gartenpavillon aus dem 18. Jahrhundert hinter dem Herrenhaus Den Wolsack. Jahrhundert, der sich hinter dem Herrenhaus Den Wolsack befindet. 1772 vom Kaufmann François Van den Bogaert erbaut, war er einst Schauplatz privater Empfänge und Soireen, die den Reichtum und den künstlerischen Geschmack der Familie unter Beweis stellten.

Im Inneren verblüfft die Decke: ein 65 Quadratmeter großes Gemälde "Die Götter auf dem Olymp", das als das größte Deckengemälde auf Leinwand in Westeuropa gilt. Noch überraschender ist eine "Büchertoilette", bei der die Toilette als Bibliothek getarnt ist - ein exzentrisches Detail, das den verspielten Luxus der Epoche offenbart.

Nach jahrelanger Vernachlässigung wurde De Hofkamer zwischen 2013 und 2017 vollständig restauriert, wobei die Uhr und die Deckengemälde sorgfältig konserviert wurden. Heute dient sie sowohl als Kulturdenkmal als auch als kulturelles Zentrum und bietet Konzerte, Vorträge und Tage der offenen Tür. Von der Straße versteckt, bleibt es eines der bestgehüteten Geheimnisse Antwerpens - eine ruhige Oase, in der Kunst, Architektur und Geschichtenerzählen aufeinandertreffen.

Der diesjährige Open Monumentendag in Antwerpen zeigte, dass das Kulturerbe nicht in der Zeit stehen bleibt, sondern durch neue Nutzungen, Restaurierungen und Gemeinschaftsinitiativen ständig neu interpretiert wird. Ob in einer umgenutzten Kirche, einem wiederbelebten Archiv oder einem jahrhundertealten Wohnhaus - jeder Ort bot einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart und erinnerte die Besucher daran, dass Kulturerbe gedeiht, wenn es offen, gemeinsam genutzt und lebendig bleibt.